Zum Geleit
Pech gehabt – das ist der kleine Bruder von „Glück gehabt“, der Anthologie des Jahres 2015. Doch der Begriff „klein“ bezieht sich nur auf das Alter; der kleine Bruder ist so dick geworden, dass ich ihn teilen musste.
Im Unterschied zur letztjährigen Anthologie habe ich dieses Jahr eine gewisse Vollständigkeit angestrebt – die natürlich immer noch subjektiv und aleatorisch ist. Allein ein Blick auf die Zahl der für den Preis der Leipziger Buchmesse eingereichten Vorschläge – über 600 – zeigt die Lächerlichkeit dieses Unterfangens. Dennoch sind natürlich 32 mehr als elf und können schon als einigermaßen repräsentativ gelten. Zu den 32 gesellen sich noch 14 Romane, für die ich keine Lizenz bekommen konnte, sodass in diesem Doppelband insgesamt von 46 Texten die Rede ist.
Nicht alle passen ins Schema, und doch ist der Unterschied zwischen den Glücksuchern des Jahres 2015 und den desillusionierten und heruntergekommenen Helden des Jahres 2016 augenfällig. Das kleine Glück wird verschmäht – das große teils grandios verfehlt.
Unter diesen Umständen wäre es wohl vermessen, ein Ordnungsprinzip festzustellen, um diese 46 Titel in einige wenige Kategorien aufzuteilen. Ich habe mich daher entschlossen, die Texte so anzuordnen, dass beide Bände auf 23 Texte kommen, die sich vielfach gegenseitig erhellen. Der Versuch, gleiche Nummern ähnlichen oder besonders gegensätzlichen Texten zuzuordnen, gelang sicher nicht immer, aber dem Leser steht es ja frei, darüber hinaus Verbindungslinien zu ziehen.
Meine kleinen Einführungen, die im vergangenen Jahr viel Beifall gefunden haben, musste ich leider auf wenige Bemerkungen „zum Verständnis des Werkes“ reduzieren. In Zeiten von Google und Wikipedia vertraue ich aber darauf, dass der interessierte Leser sowohl den biografischen Hintergrund als auch die Grundzüge der Diskussion unter den „Experten“ der Feuilletons leicht nachvollziehen kann.
Im Gegensatz zum letzten Jahr wurden die Texte nicht neu gesetzt, sondern fotokopiert und also in ihrem ursprünglichen Seitenlayout belassen. Dass dieses Verfahren zu typografischen Unterschieden führt, liegt in der Natur der Sache. Für ein Drittel der Texte hatte ich 2015 dreimal so viel Zeit – dieses Mal wollte ich unbedingt zu den deutschen Tagen fertig werden.
Vor uns liegt eine Reise, wie es sie so schnell nicht wieder geben kann. Nur durch die Tatsache, dass Baschkortostan Tausende von Kilometern von München und Berlin entfernt ist, war es möglich, kostenlos an die Lizenzen zu kommen. Hätte ich den gleichen Versuch in Bochum oder Brüssel gestartet, hätte ich finanzkräftige Sponsoren gebraucht. So aber darf ich wieder in aller Bescheidenheit eine Anthologie der besten Erzählliteratur in deutscher Sprache des vergangenen Jahres dem interessierten baschkirischen Publikum unterbreiten.
Ufa, im März 2017
Andreas Steppan
Auf der rechten Seite finden Sie das Inhaltsverzeichnis des ersten Bandes. Mit einem Klick auf den Titel kommen Sie zu meinen Kurzeinführungen; die Texte selber kann ich natürlich nicht ins Netz stellen. Wenn neben einem Titel nur eine einzelne Seitenzahl steht, konnte ich übrigens für diesen keine Abdruckerlaubnis bekommen.
Der Herausgeber dankt ausdrücklich allen Autoren und Verlagsmitarbeitern für die überaus freundliche Erlaubnis zum unentgeltlichen Abdruck der genannten Werke. Für die Titel, die jeweils nur mit einer Druckseite angegeben sind, konnte ich keine kostenlose Lizenz bekommen, was zum Teil an zeitlichen und technischen Engpässen, zum Teil aber auch am Veto der Autoren oder deren Agenten liegt. Einzig der Verlag Hanser hat meiner Bitte aus verlagsinternen Gründen generell nicht nachkommen können.
